Andersrum

Der Chaos Communication Congress in Berlin muss der einzige Ort auf der Welt sein, wo die Naturgesetze gehackt wurden. Anstelle von Schlangen vor dem Damenklo stehen die Herren Nerds vor den Ställen und warten, wären die Frauen stehts freie Bahn haben. Die Warteschlange teilt sich in 2 Lager. Die, die an die Pissoirs wollen und die für die Nasszellen. Letztere stehen länger. Leute die zu Ersteres wollen, aber für letzteres anstehen bemerken dies schnell. Die Stimmung ist non-kommunikativ. Jeder versucht irgendwo hin zu gucken, der große Spiegel an der Wand hilft bedingt. Die schlange für die Ställe braucht eine gefühlte kleine Ewigkeit. Zuviele Häufchenmacher und Paruresisgeschädigte. Eine durchaus attraktive Sanitätstech wechselt die Trockentücher aus. Sie verlässt das Männerklo und betritt das Damenklo mit den Worten “und nun zum leichten Teil”.

Und jetzt Bodo Wartke mit der Hymne auf die Klowarteschlange

Uni soll niesen!

Bin ja inner Laune morgen in die Uni zu gehen und eins unserer Labore zu besetzen. Studieren das heißt Arbeiten ohne Feierabend. Feierabend ist, wenn die Arbeit getan ist. Das heißt 50-70 Stunden verbringt man an Uni-kram und das Wochenende ist kein Wochenende, sondern nur 2 Tage ohne Vorlesungen bereit gestellt zur Heimarbeit.

Leider ist mein Plan ein Labor zu besetzen zum Scheitern verurteilt. An meiner Hochschule passiert rein gar nichts bezüglich der Studienproteste die es Momentan gibt. Kein Unibrennt, nichtmal zornige Blicke. Ich würde also alleine dasitzen. Außerdem sind wir jetzt auf dem neuen Campus in einem frischsanierten alten Fabrikgebäude. Die Fahrstühle fangen nach 3 Monaten betrieb an zuversagen und es ist also nicht sichergestellt, dass ich bis ins Labor komme. In den Laboren ist überall neue Elektrotechnik und wenn man einen Stecker in die Steckdose steckt fliegt die Sicherung raus. Und die Räume haben eine etwas schlechte Belüftung mitunter, so dass man das Fenster aufhaben muss und es dann kalt reinkommt.

Also kurzgesagt, wenn ich denn ins Labor käme würde ich dort alleine frierend im dunkeln sitzen. Kein sehr erfolgversprechender Protest, außer für die Erkältung. Darum protestiere ich lieber dafür:

Für mehr Erkältung in öffentlichen Hochschulen!

PS: Hashtak: #Uniniest

Subtil auffällig normal

Gestern stand ich am Alex vor einer Papier-Burger-Franchise mit goldenen Bögen. Auch wenn ich gerne mal fies essen gehe, so ist mir das Nahrungssubstrat dort einen Tick zu fies, so dass ich meist davor stehen bleibe, während andere ihre Essensimulation auswählen. Ich stand also vor dem Laden und sehe angestrengt wartend aus.

In solchen Situationen gebe ich mich auffällig normal, aber gerne leicht abweichend. Ich stehe und beobachte gerne. Manchmal treibe ich auch subtile Scherze, starre 10 Minuten eine Reihe Pfannen im Laden gegenüber an. Gucke immer nur an die Decke, springe von einem Bein aufs andere. Einfach nur um ein bisschen subtile Verwirrung zu stiften und irgend einem Vorbeigehenden den kurzen Gedanken “was zum …” abzuringen. Ich bin ja viel zu feige um mich groß abweichend zu verhalten. Lieber stehe ich mit meinem Cola-Glas, trinke Milch draus und starre es Minutenlang stark darüber nachdenkend, was für eine kleine Ironie sich hier ergibt, an. Dort , Weiß – der Inbegriff der gesunden Getränke und dort, Schwarz – die Antwort auf die Frage ab wann eine Zuckerlösung gesättigt ist. An der Art und Weise, wie ich warte kann man auch sehen ob und wie genervt ich bin. Wenn ich im Kitschladen anfange Wecker aufzuziehen und übertrieben wie ein Zombie durch die Gegend zu laufe, dann ist das ein kleiner subtiler Hinweis darauf  das meine Begleiter den Laden nun verlassen könnte. Meist bin ich leider mit Leuten unterwegs, die vor keinem peinlichen Verhalten geschockt sind und nur um so mehr mich in meinen Wahn zu treiben.

Also ich wartete gestern so am Alex. Hatte mal nichts böses im Sinn, ich war richtig subtil auffällig auffällig normal. Ein Mann schlich sich heran und fragte mit sehr gedämpfter Stimme, ob ich “Age” für ihn hätte. In gleicher gedämpfter Stimme und mit einem gespielten Nachhall von “nicht für dich” verneinte ich ihm.

In Südtirol unterhielt ich mich mit einem Kollegen über Drogenschmuggel. Er war Raggae-Fan mit Rastas, die sein Kopfvolumen verdreifachten. Er meinte, an der Grenze würde ihn jeder stoppen und so normale Leute, wie ich hätten beim Schmuggeln bessere Chancen. Zu blöd, dass ich für mich schon festgestellt habe, dass das nicht mein Job wäre.

Stützstrumpf-Zombies

Es gibt ja den alten Streit der Zombie-Fans, ob Zombies jetzt laufen können oder nicht. Ich bin eher Anhänger der Gruppe des Romero-Zombies und sage, nein ein echter Zombie kann nicht laufen, nur Stolpern, Schlurfen und Wanken.

Ich bin noch kein Zombie. Ich kann laufen, gelegentlich mit widerwillen, aber wenn ich will recht diszipliniert. Die Disziplin fehlte mir lediglich die letzten Wochen seit meiner Rückkehr nach Berlin. Heute begab ich mich aber wieder in Bewegung. Was mir begegnete lies mich erschaudern.

Ich lief so am Britzer Kanal lang, eine übliche Strecke, wenn ich nicht so weit weg will, aber auch nicht an der Hauptstraße entlang möchte. Meist begegne ich nur Hundeführer, die ihren Köter einmal ums Viertel lassen. In Luxemburg war es in einem Fall andersrum. Da ging der Hund jeden Tag 3 mal mit einem anderen Herrchen/Frauchen/Söhnchen Gassi. Pünktlich um 7 ging Hund los und kam an der Bushaltestelle vorbeigeschlendert an der ich stand, auf den Bus wartete und teils selbst in einen zombie-artigen Trance-Zustand abdriftete.

Heute am Britzer Kanal war was anders. Ich simulierte gerade Joggen, als ich von weitem bereits eine Gruppe älterer Damen sah. Versetzt schlurften sie auf dem Weg, jeweils 5-6m zu der Dame vor ihr. Behäbig schwankte das Körpergewicht vom Linken aufs rechte Bein und im selben Rhythmus schwangen regungslos die Arme. Der Kopf teils in Demut gesänkt, teils in Abwesenheit versunken. Wenn mich in vielen Jahren, wenn 98% der Menschheit von Zombies gegessen wurden, jemand fragt, dann werde ich sagen, dass an diesem heutigen Tag alles angefangen hat.

Ich rannte, ich simulierte joggen nicht mehr nur, sondern angesichts der akuten Gefahr, beschleunigte ich mein Tempo und rannte in Schlängellinien durch die Horde taumelnder Stützstrumpfträger. Nur durch meine schnellen Reflexe und dem Umstand, dass Zombies eben nicht laufen können, entkam ich der strauchelnden Gefahr. Sie schafften es nicht nach mir zu packen und eine Verfolgung war trotz ihrer Überzahl glücklicherweise nicht von Erfolg gekrönt.

Vielleicht sollte ich die Behörden einschalten, aber die werden das Problem schon in den Griff kriegen. Die Regierung weiß schon was zu tun ist, sie wissen ja aus eigenen Reihen, was lebende Tote sind.

Generationen jugendlicher Sprachkultur

Zwei Beispiele jugendlicher Sprachkultur

1. Geburtenjahrgang 1990:

Eysch geh Supermarkt!
Übersetzt: Hey, ich werde nun in den Supermarkt zum Einkaufen gehen.

2. Geburtenjahrgang 2000:

Wing du hast zu wenig Geld.
Übersetzt: Weil wegen bei dir ein Mangel an Moneten vorherrscht.

FsA09 – Nicht so glorreich

Erstmal ein kurzer Disclaimer: Ich war die letzten 2 Jahre bereits auf der Freiheit statt Angst-Demo und war beide Male sehr positiv begeistert. Die Größe war Überwältigend und die Art und Weise super. Es war bunt, man hatte Spass. Beide Male sehr positiv im Gedächtnis geblieben. Letzte Woche war ich bei der Anti-Atom-Demo, die Lust auf mehr gemacht hat.

Ich komm gerade von der FsA09 und bin etwas enttäuscht. Es war voll, es war laut, aber es war nicht so bunt wie die letzten Jahre. Laut Veranstalter auch “nur” 25.000 , was schon etwas leerer aussah als letztes Jahr. Ich will die Demo nicht schlecht reden, jedoch gibt es einige Punkte die für mich dazu sorgen, dass sie nicht in gleicher Erinnerung bleibt wie letztes Jahr.

Ich stand falsch. So sehr die Piratenpartei auch mein Interesse weckt, so war ich von der Darbietung enttäuscht. Einerseits imposant, mit großen Truck und Fahnenmeer, andererseits war es mehr ein Techno-Umzug als alles andere und nicht sehr glorreich. Die Außendarstellung stell ich mir insofern kritisch vor. Diese Demo bildet im Grunde das Kernstück ihres Parteiprogramms ab und dann nutzen sie nicht die Chance genau diese Thematiken am eigenen Lauti mit entsprechenden Reden zu untermauern. Stattdessen nur zu laute Techno-Mucke, die zumindest mich mehr vertreiben als Interesse wecken würde. Dies wäre der Moment zur Selbstdarstellung genutzt. Anhand der Mitgliederzahl die auf der Demo vertreten war, hat man das auch gesehen. ich kann nicht sagen, dass sie sich selbst gefeiert hätten, aber auf ihre Anliegen sind sie schmerzlicherweise nicht eingegangen. Ich würde sagen hier wurde sehr sehr viel verschenkt und dass sich das noch rächen kann.

Ich stand falsch, durch die Laute Musik war der Demoabschnitt in dem ich war nahezu taub. Es passierte nichts. keine Reden, kein skandieren, keine tollen Laufaktionen, die ich die Woche davor sehr cool fand. Es war eigentlich nur eine etwas dröge Prozession.

Auf der anderen Seite muss ich sagen, außerhalb der Piraten waren die Leute wieder sehr kreativ und es gab viele tolle Plakate. Mein Favorit ist ja die neue Schminke des Merkel.
Es war ein guter Nachmittag, hoffe dass der Nächste wieder besser wird, ich werd mir dann jedenfalls ne bessere Ecke suchen.

Selbstexperiment

Seit knapp 2 Monaten bin ich bei einem Selbstexperiment anderer Art. Eins das auch dieses Blog betrifft: ich twitter.

Ich hab die längste Zeit nicht verstanden wie das geht. Rein technisch betrachtet natürlich einfach: Du hast ein Feld mit 140 Zeichen und schreibst rein. Leute die dir folgen bekommen diese Nachricht zu sehen und wenn du andere leute folgst, dann bekommst du in Echtzeit die Nachrichten, die sie schreiben. In der Theorie einfach, allerdings ist hinter dem Phänomen mehr, besonders in hinsicht auf die Gesellschaftliche Selbstorganisation im System. Twitter ist eigentlich nur ein Dienst ohne Zweck. Der Zweck, der Sinn und die Art und Weise wie man es benutzen kann hat sich komplett in der Gemeinschaft entwickelt und entwickelt sich fortwährend weiter. Ich wollte gerne verstehen wie das läuft, weil ich den Eindruck bekam von draußen sieht man nichts.

Nach draußen hin siehst du nur einen Microblog, eine Liste eines Nutzers. Viele Einträge sind in sich abgeschlossen, die kann man verstehen, jedoch fehlt bei den meisten der Kontext und noch schlimmer, du siehst praktisch nur eine Hälfte einer angehenden Unterhaltung des Schreibers mit seinem Netzwerk. Erst in dem Moment wo man sich registriert, jemanden folgt und damit teil dieses Netzwerks wird began ich zu begreifen wie diese Kommunikation funktioniert. Man bekommt sofort mit wenn etwas geschrieben wird und kann drauf antworten. Je nach Leuten, die man verfolgt kann man mitverfolgen wie Nachrichten wandern. Auf einmal erschließt sich der Kontext und die kurzen Informationshäppchen machen sinn.

Ich hatte etwas erwartet, von fremden unwichtigen Nachrichten erschlagen zu werden. Defakto wirds man aber nicht, weil man selber Einfluss drauf hat, wen man folgt und wievielen. Dabei wählt man natürlich entweder Leute, bei denen man meint, dass sie etwas zu sagen haben, Menschen mit ähnlichen Weltanschauungen, oder auch gern mal ganz anderen. Dadurch das man diese selber wählt kann man auch regulieren mit wievielen Nachrichten man konfrontiert werden möchte. Mit dem richtigen Twitter-Programm ist einer Nachricht ein kurzes Einblenden in der Ecke des Bildschirms. 140 Zeichen sind schnell überflogen und innerhalb einer Sekunden entscheidet sich schon die Relevanz der Nachricht und im Zweifelsfall ist sie weg und man kann weitermachen wo auch immer man war. Ich empfinde es nicht als Störung.

Zum Sozialen aspekt. Dadurch, dass man selber leuten folgt, gleichzeitig Leute hat, die einen selbst folgen ergeben sich zwei Netzwerke. Anders als bei Social-Networks liegt der Fokus aber anders. Man folgt nicht jemandem, weil man ihn kennt (ok, vielleicht auch), sondern weil er relevant erscheint. Wenn man bloß Leute folgt, die man Persönlich kennt, dann wird das Netzwerk sehr homogen und entweder belanglos und langweilig oder sehr repetitiv. Spannder ist es quer Vernetzungen zu finden zu Leuten mit den gleichen oder auch anderen Hobbies, Einstellungen, was auch immer. Dies hilft sehr auf neue Ideen, neue Texte gebracht zu werden, über die man sonst vielleicht nicht stolpern würde. Letztendlich geht es um eine Verbreitung von Ideen und Informationen. Einerseits als Rezipient, andererseits als Sender.

Ich bin 2 Monate dabei und habe 40 Follower, ich lege es nicht darauf an viele Leute als Gefolgschaft zu haben, auch wenn es durchaus noch Ziele gibt, die ich hätte. Man liest von Leuten, die Twitter als antwortende Wolke betrachten können. Hat man eine Frage, fragt man sein Netzwerk und kriegt eine Antwort. Dies erfordert viele Follower, aus sehr vielen verschiedenen Kreisen. Da bin ich noch nicht angekommen und das mag vielleicht noch dauern. Bis dahin geht mein Selbstexperiment weiter. In Echtzeit zu verfolgen.

Das Lese-Oktett #25

Gesellschaft

Google und der Zoodirektor: Eine längere locker geschriebene Ausführung über den Heidelberger Appell von mehreren Seiten beleuchtet.

Die Dummheitsvermutung: Der Adressat wird dumm gehalten, weil er für dumm gehalten wird. Ein Plädoyer dafür, dass man nicht alles verstehen muss und Politik nicht zu versimplifiziert gehört.

Der Kampf um die Worte: Vereinahmung von Worten durch die Politik

Direct-Action: Faken, Faken, Faken: Anleitung zum Schreiben eines eigenen Fakes, mit Beispielen.

Politik

Steinmeier-Witze

Die Meinungsfreiheit als Sondermüll: Es geht um die Neudefinitions des Begriffs der Menschenwürde durch das Familienministerium.

Das Grundeinkommen ein voller Erfolg: Über einen Pilotversuch in Namibia

Stanislaw Pietro und das Geheimnis des roten Knopfes

Sonstiges

Visual illusions

Video

Freaks mit Megafon auf unserem Rasen

Gefard: Kafkaesker Kakerlaken Kurzfilm

Analogien

Neulich im Supermarkt fiel mir eine Analogie ein.

Das Defragmentieren der Festplatte ist quasi wie die Geldumverteilung in einem Finanzsystem. Große Datenblöcke bekommen noch mehr speicher ihnen zugeordnet. Die die schon viel haben, die bekommen noch mehr.  Und wenn die Festplatte voll ist und der Speicher komplett verteilt, dann muss man die Regierung anpumpen, die neuen Speicher erzeugt und eine neue Platte nachschiebt.

Ich hab nicht nachgezählt wieviele Konstruktionsfehler in dieser Analogie sind. Sie entstand halt nur im Supermarkt.

Das Lese-Oktett #24

Politik

Verglichen mit dem Netz ist das Leben ein rechtsfreier Raum

Das Theater darf kein brechtfreier Raum sein!

Wissenschaft

7 Man-Made Substances that Laugh in the Face of Physics

Nasa: Moondust and duct tape

2D- Programming language

The Baloney Detection Kit: Entdecke die Pseudo-Wissenschaften

Study about the effectiveness of tinfoil-heads against radio signals: Überwacht die Paranoiden, es ist zu ihrem eigenen Besten!

Codename “Teddybär”: Langwellenradarsender unter Tempelhof vermutet. Würden Tinfoil-hats was bringen würde ich jetzt empfehlen sie aufzusetzen.

Sonstiges

Willkommen bei den Lumen: Immer wieder einhämmern…

Showbashing in Berlin

Amazing long exposure  pictures

Hollywood at war

Lasst euch nicht verarschen: Studiert doch was ihr wollt! Pro-Gesellschaftswissenschaften …

Informatiker – Potentielle Täter: Habt Angst vor mir!

Falscher Planet, Falsches Jahrtausend: Ein Informatiker reminisziert über 20 Jahre Interneterfahrung und den aktuellen Generationenkonflik

Video

Inside Ursula Hitler’s Head

Bestnote

5 von 5 Punkten, aka volle Punktzahl in Übung 4. Das Besondere daran ist, dass ich weder Übung 4 bearbeitet, noch den dazugehörigen Kurs belegt habe. Trotzdem, meine Leistung habe erbracht, bin damit der beste Mensch der Welt und freue mich ein vielfaches mehr als über Übungen mit voller Punktzahl die ich wirklich gemacht habe.

Das Leseoktett #23 Zensursula-Edition

Soviel zum regulären Leseoktett. Ich will noch einige Worte zur vergangenen Woche verlieren. Die politische Diskussion im Internet war geprägt durch das Vorhaben der Großen Koalition eine Internetzensurstruktur unter Leitung des BKA aufzubauen. Einerseits die Sperrung(verstecken nicht löschen) von Webseiten (zunächst noch Themengebunden) auf einer geheimen Liste ohne Wiederspruchsmöglichkeit und andererseits verwaltet durch das BKA ohne weitere Kontrollinstanz. Damit besteht die Möglichkeit der Willkühr die das BKA bereits des öfteren an den Tag gelegt hat.

Der Protest der “Internet-Community” war  gewaltig und in den letzten Wochen entstanden viele Artikel und Texte, die das Thema auf-, ab- und nachbearbeiten.  Ich könnte nicht alle Posten wenn ich wöllte, aber es gibt einige die ich euch ans Herz legen will. Die Proteste gegen das Gesetzesvorhaben zeigten für Netzpolitische Belange eine neue Qualität. So traurig es auch ist, dass trotz allem die Agenda der Zensursula durchgezogen wurde, so sehr ruft der Metronaut auf nicht den Kopf in den Sand zu stecken und weiter hin interesse und Engagement aufzubringen. Andererseits gibt es auch genug Leute, die erst durch diese Diskussion auf die Politik und deren Techniken zur Meinungsmache wirklich aufmerksam geworden sind und sich dafür herzlich bei Frau von-der-Leyen bedanken. Es war faszinierend zu sehen, wie in der letzten Woche in der SPD offene Briefe einzelner SPD-Mitglieder rumgingen, um der Fraktion nochmal nahezulegen warum sie gegen dieses Gesetz stimmen sollte. Das wurde natürlich vermehrt damit begründet, dass durch diese Entscheidung eine ganze Generation Wähler, die mit dem Internet großgeworden sind, vergrähmt würde, bzw jetzt nach der Abstimmung bereits IST. Ich zähle mich dazu. Interessant war dabei, ein Brief eines Bundestagskandidaten, der die aktuellen Bundestagsabgeordneten anschreibt, ihm doch quasi nicht den Wahlkampf durch diese Gesetzgebung zu versauen, profan ausgedrückt. Torben Friedrichs Offener Brief sei dabei eine kleine Empfehlung.

Nun ist das Gesetz durch, die Proteste verstummen nicht, aber die ersten Konsequenzen werden gezogen. Die SPD hat uns mal wieder verraten und mit dabei die Grüne Partei, die mit 1/3 Enthaltungen auch keine ruhmreiche Opposition gestellt hat. Einzelne SPD-Miglieder Ebenfalls seine Konsequenzen gezogen hat J. der gestern Pirat geworden ist und mir hoffentlich bald viel Neues zu erzählen weiß.

Euro2009 – Kurzauswertung

Muahaha, ich bin in meinem Wahlbezirk der einzige, der diese Organisation gewählt hat, die ich gewählt habe und auf ganz Deutschland betrachtet gehörte sie zu den 5 Parteien die am schlechtesten Abgeschnitten haben. 😀

Expertengespräche: Einhörner

Mitte der 1990er Jahre führten Jürgen Kuttner und Stefan Schwarz während ihres Sprechfunks die sogenannten Expertengespräche. Es wurde ein Thema oder ein Grundproblem betrachtet und versucht zu lösen. Da ich mich mit meinem sehr geschätzten Kumpel und Kollegen David gelegentlich in ähnlicher Diskutierposition befinde kamen wir auf den Gedanken die Welt an unseren Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Das erste Expertengespräch behandelt die Frage, ob unsichtbare rosa- oder grünfarbige Einhörner voneinander zu unterscheiden sind. Continue reading “Expertengespräche: Einhörner”

Euro2009 – Die Parteien, die nicht waren

Bei meinen Recherchen rund um die Euro-Wahlparteien sind mir zwei Parteien in den Kopf gekommen, die ich schmerzlich vermisst habe.

Erstere Partei gab es mal wirklich. Ich bin über die Clips von 60xDeutschland darüber gestolpert und versucht etwas mehr darüber herauszufinden. Wir sind im Jahr 1970, in Hamburg gründet sich die Deutsche Sex-Partei. Ein Wikipedia-Eintrag wurde mal begonnen, jedoch wie jeder gute Eintrag der deutschen Wikipedia bekam er eine Löschanfrage, der er leider zum Opfer fiel.

Zum Glück gibt es noch einige Archive. Zum Beispiel berichtete die Zeit im Juni 1970 “Sex-Partei – Hier liegen sie richtig”. Ich glaub um Wortspiele kam man damals einfach nicht drumherum. Immerhin, bei einem Wahlprogramm, dass in der Außenpolitik plante die DDR duch Sex-Tourimus zu “untergraben”, was soll man da auch ernst bleiben. Leider findet man kaum weitere Informationen im Interweb zur DSP. Man findet nur 1000 DVD-Links zu einem Film mit gleichem Namen, der aber überhaupt nichts mit der Partei zu tun hat. Interessant wäre nur noch zu sagen, dass es in Australien seit November 2008 die Australian Sex-Party gibt.

Eine gänzlich andere Partei schwebte mir letzte Woche  vor. Als ich mich so durch die Parteiprogramme boxte fragte ich mich, wo eigentlich die Nichtwählerpartei ist. Diese Partei hätte das einzige hoheitliche Ziel rein gar nichts zu machen, wenn sie gewählt wird. Überhaupt nichts. Nil, Void, Einfach nur auf ihren Stühlen sitzen, Schnittchen essen und in die Sessel furzen. Zu nichts ne Meinung haben, über nichts abstimmen und einfach nur rumhocken und Scrabble spielen. Ein bisschen so wie eine große Koalition, nur, dass man sie selber wählt und ohne Verfassungsfeinde.

Warum trat die APPD eigentlich nicht bei der Europawahl an?

Euro2009 – Empfehlungen

Ich habe Dank Briefwahl meine Stimme schon abgegeben und kann daher sehr entspannt ins Wochenende gehen. Ich will eigentlich keine direkte Wahlempfehlung aussprechen, es gibt aber schon einige Gedanken die mir wichtig sind.

Ich habe diesmal eine Iinitiative/Partei gewählt, die im untersten Fünftel des Stimmzettels ist. Für mich war klar, keine der 5 großen zu Unterstützen. Besonders, nachdem ich die Politik der SPD in den letzten Jahren mehr als Messer im Rücken als alles andere empfunden habe. CDU/CSU sind sowieso schon immer unten durch gewesen und die Grüne erscheinen mir im Moment schlicht und ergreifend als Profillos. Bleibt die Linke, mit der ich mich schwer tue. Das einzige was die Linke in meinen Augen wirklich wählbar macht ist der Fakt noch in keiner Regierung gewesen zu sein und daher noch nicht demonstriert zu haben wie sehr sie in der Verwantwortung mit ihrem Wort bricht. Wenn ich auf Landesregierungen wie Berlin schaue bin ich aber auch da etwas skeptisch.

So ging meine Stimme an eine kleine. Ich nehme nicht an, dass sie die 5% Hürde schaffen wird, aber immerhin ist jede Stimme auch für eine kleine Partei eine Unterstützung und sei es in monetärer Form.

Ich hab noch einige Quellen zur Meinungsbildung. Wie gesagt ich sprech keine Empfehlung aus, aber ich würd gerne das Meinungsbild etwas lenken insofern, lohnt es sich vielleicht mal etwas durchzuklicken.

Bürgerrechte wählen, Überwachung abwählen: Vergleich der Parteienprogramme aus Bürgerrechtlichen Gesichtspunkten

Abstimmungsverhalten der Fraktionen zu Überwachungsgesetzen der letzten 50 Jahre

Selbst Fefe lässt sich zu sowas wie einer Wahlempfehlung, oder was dem sehr nahe kommt, hinreißen.

Hier in Luxemburg ist auch alles zugeflastert mit Plakaten. Am schönsten ist der Spruch “Nei wieer Wählen!” Was übersetzt “Uns wieder wählen!” heißt, aber nach was anderem klingt. 🙂

Habt nen schönes Wahlwochenende!

Das Leseoktett #22

Gesellschaft

Doktor Faustus und die Affenfalle: Taktik – Greif härter zu, zieh stärker raus

Interview Eric Hobsbawn “Es wird Blut fließen, viel Blut”: Interview eines 92 jährigen Sozialhistorikers, der bereits die Depression 1930 und alle folgenden auf und abs mitgemacht hat.

Bischof Huber: Gott ist nicht real: … und auf einmal ist er mir ein stückchen sympathischer.

Politik:

Seltsames Demokratieverständnis: … oder warum stellen sich Politiker nicht vor eine gröhlende Masse im Festzelt und bezeichnen das Publikum als Idioten?

Irgendwie dazu passend: Der Doktor und das liebe Vieh über uns’ Wiefelspütz

Politiker-Pläne: Heftige Proteste gegen Sperrungen im Internet (Video): Gute Zusammenfassung der Thematik in bewegten Bildern für Lesefaule. Die Petition läuft noch.

TP: Strafverfolgung oder Internetsperren: Löschen oder Sperren? Beides zusammen geht nicht!

Heute kein Abschlussvideo, dafür das Bild einer Kiwi im MRT

Star Trek

Als Fan war ich natürlich im neuen Film, schon Schande genug, dass es der erste Star Trek-Film ist, den ich auch im Kino gesehen habe, aber immerhin war es ein tolles Erlebnis. Der neue Film rockt! Er ist anders, er ist dynamischer, er ist vollgepackt und eine extrem unterhaltsame Achterbahnfahrt. Nach allem was ich gelesen habe, auch für Leute, die dem Scifi oder speziell Star-Trek eher fern sind. Es brauch keinerlei vorwissen, mit macht es aber auch spass. Es ist verdammt kurzweilig und ich bin begeistert aus dem Kino gegangen.

Kein Film ist perfekt, ich hab auch einige Kritikpunkte. Ich fand den Anfang verdammt geil, in der Mitte sackte es etwas ab. Die Handlung war zwar in sich geschlossen und gut, allerdings gab es keine Pause zum Luft holen. Im Grunde wechselten sich Action-Sequenzen und kurze Dialoge, die die Handlung voranbrachten ab. Auf dauer war das etwas ziehend und für mich war Delta-Vega der Tiefpunkt, danach zog es wieder an. So gesehen fand ich die Dialoge grundsätzlich etwas flach. Gerettet wurde alles durch den Cast, durch die Geschichte, durch die Musik und die Effekte. Ich kann zwar auch nicht sagen, wie groß die neue Enterprise denn jetzt sein soll, aber mit dem Design kann ich mich inzwischen anfreunden. Naja und Lense-Flares … muss ma halt ignorieren.

Alles in allem, trotzdem lohnenswert rein zu gehen, auch gerade, wenn man nicht in der Materie ist. Eine bessere Möglichkeit sich einen Überblick zu verschaffen ohne Vorkenntnisse und Ballast haben zu müssen gibt es nicht. 🙂

Achja, ich könnt noch erwähnen, ich hab den Film im Utopolis in Luxemburg auf Englisch mit Französischen Untertiteln gesehen. 😀

Enten

Drei Meter vor mir sitzen eine Handvoll Enten. Die Meisten sitzen bloß herum. Eine macht sich schon seit Minuten für mich schön, jedoch ist es leider ein Erpel. Jetzt gerade verrenkt er sich vor mir das Bein. Neben ihm sitzt seine Entenfrau, die einerseits ständig ihren Hintern in meine Richtung wackelt, mir aber andererseits nur die kalte Schulter zeigt.
Dann ist da ein Außenseiter. Eine weiße Taube, die von einer Hochzeit geflohen oder von den Tauben als Spion in geheimer Mission geschickt wurde. Daneben sein uneheliches Kind.
Die Tauben sind sowieso die Spielverderber. Wie halbstarke Neuköllner Kids treten sie in Rudeln auf und meinen die Lage abchecken zu müssen. Ratten mit Flügeln. Still schleichen sie durch die Gegend, stets bereit wenn nötig dich einzukesseln, wenn du ihnen dein Handy nicht gibst. Ob Tauben Bushido hören?

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Das Leben einer Ente findet im Wasser statt. Sie werden dort geboren und sterben im Wasser. Ab und zu taucht eine ab und ward nie wieder gesehen. Damit die Entenpopulation aber nicht ausstirbt taucht woanders unverhofft eine neue Ente einfach so auf. Dadurch gleicht sich der Verlust wieder aus. Unterwasserklonlabore erklären auch, warum alle Enten gleich aussehen. Diese gefiederten Wassertreter geben sich eines einfachen Lebens und haben die Technologie bereits hinter sich gelassen. In trautem Einklang mit der Natur begehen sie ihr Leben.

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Dort hinten sind zwei Enten ganz aufgeregt. Es ist ein Erpel und seine Dame. Sie hat keine Lust, er aber schon, was zu gewissem Konfliktpotential fühlt. So kommt es zur Hölle eines jeden Bademeisters. Er stellt sich auf sie rauf und sie geht unter. Nach vollendeter Versenkung putzt er sich.

Quäkend betteln zwei Enten vorbeigehende Fussgänger an. Quäk, quäk,quäk. Ubersetzt heißt das „Haben sie wohl etwas Kleingeld übrig?“ Die Fussgänger schütteln aber meist nur mit dem Kopf, heute haben sie keines dabei, ja eigentlich haben sie nie welches und vielmehr brauchen sie doch selbst soviel mehr um es jetzt den Enten hinterher zu werfen.

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Noch woanders sitzt ein ein Paar Enten und möchte nicht gestört werden. Sie sitzen nur so da und gucken in die Nachbarschaft. Vielleicht sind es Oma und Opa Ente. Kommt ein Nachbarsküken vorbei dann krakeelen sie los. Sie sind die Könige des Balkons. Sie bestimmen über Ruhe und Frieden, oder wenigstens, was für sie das bedeutet. Ruhe und Frieden heißt ihr Ruhe und Frieden. Jeder vorbei schwimmende Artgenosse ist ein Angriff darauf und gehört zusammen geschissen.

Ich verlasse meinen Platz. Irgendwie kommt mir diese Entengesellschaft bekannt vor.

(Dank an F. für die Entenbilder)